Therapeutenkammer?

Vertretung der Therapeuten

Die Heilmittelerbringer im System werden aktuell von Berufsverbänden, also Interessensvertretern, gegenüber der Politik vertreten. Gleichzeitig vertreten Sie aber nicht nur die Interessen Ihrer Mitglieder sondern treten auch als „Standesvertreter“ in Erscheinung. Dies führt durchaus zu Interessenskonflikten, da eine Standesvertretung, nicht zwingend mit den Interessen der aktuellen Mitglieder übereinstimmen muss.

Klassischer Weiße vertritt den Berufsstand eine Kammer. Diese bestimmt über Aus- und Weiterbildungen, über die Ausbildung, fungiert als Schiedsamt bei Fragen der Therapie und muss politisch gehört werden.
Eine Kammer ist eine gewählte Vertretung aus den eigenen Reihen(!), die über die Geschicke des Berufes entscheiden. Kurz gesagt: Es entscheidet eben nicht die Krankenkasse über unser Berufsbild, sondern wir selbst.

Dem gegenüber stehen die Berufsverbände, die die Interessen Ihrer Mitglieder gegenüber Politik und Kammer vertreten.

Fiktives(!) Beispiel: Abschaffung von Massage

Eine Berufskammer und die Politik möchten das Heilmittel Massage aus Gründen der Evidenz (fiktiv!!) aus der Regelversorgung der GKV streichen und das freiwerdende Budget auf die Position „Krankengymnastik“ aufgeben.

Ein Masseur-Verband würde hier (hoffentlich) Sturm laufen. Eine Abschaffung des Heilmittels mit allen Mitteln verhindern wollen.
Der Verband, der nur die Interessen der Therapeuten vertritt, würde das befürworten.

Fiktives Beispiel: Kammer beschließt, ausschließlich akademisierte Therapeuten sollen den Direktzugang bekommen

Gehen wir mal davon aus, wieder rein hypothetisch, dass eine Heilmittelkammer zu dem Entschluss kommt, dass wir nur noch grundständig akademisierte Therapeuten ausbilden sollten um die Therapie auf akademisches Niveau zu heben.
In diesem Zuge wird beschlossen, dass auch nur noch akademisierte Therapeuten den Direktzugang erhalten und alle berufsschulisch ausgebildeten Therapeuten auf Anweisung der akademisierten Therapeuten arbeiten dürfen.

Ein Verband, der vorrangig berufsschulisch ausgebildete Therapeuten vertritt, müsste gegen diesen Beschluss arbeiten. Vielleicht mag das für den Beruf der richtige Weg sein, es liegt aber nicht im Interesse seiner Mitglieder.

Hingegen findet der Verband der akademischen Therapeuten diese Idee hervorragend.

Meine politische Einstellung zur Kammer und Verbände

Ich glaube wir brauchen unterschiedliche Verbände/Interessensvertretungen. Nicht alle Therapeuten haben die gleichen Interessen. Ein selbständiger Therapeut hat andere Anliegen, die er politisch vertreten sehen möchte, als der angestellte Therapeut. Der Mitarbeiter im Krankenhaus hat wieder ganz andere Anliegen.

Darüber hinaus, bin ich davon überzeugt, dass die Fremdbestimmung durch die Krankenkassen uns nicht gut tun. Es besteht ja ein „Interessenskonflikt“, wenn die Krankenkassen uns stark machen würden.
Deshalb brauchen wir eine Berufstandsvertretung – also eine Kammer. Sie muss frei und unabhängig von den Interessen einzelner Gruppen (Verbände) agieren und entscheiden, da die Kammer dafür zuständig ist, den Beruf weiterzuentwickeln und zu sichern.
Die Kritik an einem Bürokratiemonster ist berechtigt und muss beachtet werden. Keiner will eine zweite „Ärztekammer“, die über den Köpfen der Ärzte agiert.  Die Ausgestaltung muss Smart und dem 21. Jahrhundert entsprechend ausgestaltet sein (wie im übrigen ein Verband auch sein sollte). Hierüber muss sich viel Gedanken gemacht werden. Am Ende aber, muss eine Berufsstandesvertretung stehen, die notfalls auch gegen die Interessen einzelner Gruppierungen Veränderungen beschließen kann, die den Berufsstand sichert und weiterentwickelt.


Diese Zeilen stellen meine ganz persönliche Einstellung und Meinung zur aktuellen Entwicklung in der Berufspolitik da.
Sie stellen nicht die Meinung, Haltung, Agenda o.Ä. einer Institution, Vereins oder Verbandes da.